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Lehrbergwerk „Wismutstolln“ Biensdorf |
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Die Idee
Die Idee für ein eigenes Ausbildungsbergwerk, zumindest für alle händischen Tätigkeiten und für alle handgeführten Maschinen und Geräte, entstand eher aus einem Missstand heraus, der auch von den Lehrlingen selber benannt und vehement kritisiert wurde.
Die an externe Einrichtungen vergebenen Ausbildungsmodule funktionierten nicht immer so, wie vertraglich vereinbart. Meistens fehlten die Ausbilder aus nicht erkennbaren Gründen und die Lehrlinge wurden zur „Stillbeschäftigung“ in irgend einem Kabinett „geparkt“ und konnten so kaum den für die Ausbildungszeit von zwei Jahren sehr umfangreichen Stoff bewältigen. Es zeigten sich sehr schnell Lücken in der Ausbildung, die sich negativ auf den erfolgreichen Abschluss auswirken konnten. Hinzu kam noch, dass auf den derzeit laufenden Sanierungsbaustellen des TS Bau GmbH Jena die Ausbildungsmöglichkeiten für Lehrlinge sehr schwierig waren. Zum einen fehlte die Zeit, weil die Fertigstellung der Baustellen an Termine gebunden waren und zum anderen konnte der jeweilige Ausbilder nicht auf mehreren Baustellen gleichzeitig tätig sein. Weiterhin war die Erreichbarkeit der Sanierungsbaustellen im Erzgebirge mit viel Fahrerei verbunden und einige Baustellen mussten wetterabhängig über den Winter auch gestundet werden. Dieser Problematik geschuldet, entschloss sich die TS Bau GmbH Jena, die Lehrausbildung wieder in die eigenen Hände zu nehmen und nur noch sehr spezifische Ausbildungsmodule an externe Dienstleister zu übergeben. Die gesamte Grundausbildung erfolgt nunmehr in Freiberg in einem extra dafür geschaffenen Ausbildungszentrum !
Durch schon bestehende Kontakte zwischen dem Bergbauverein Biensdorf und der TS Bau GmbH Jena erfolgten im Sommer 2024 erste Gespräche über die Idee eines Ausbildungsbergwerkes. Die Erarbeitung eines speziellen Betriebsplanes für das Berggebäude „Wismutstolln“ erfolgte durch TS Bau GmbH Jena und auch deren Einreichung beim Sächsischen Oberbergamt in Freiberg. Die Genehmigung des Betriebsplanes im Herbst 2024 beinhaltete auch einige Auflagen, wie z. B. die Herstellung eines speziellen Flucht- und Wetterweges für den Ausbildungsbetrieb im „Wismutstolln“. Gemeint ist damit der sogenannte „Johnschacht“. Jener Schacht war schon durch den Bergbauverein als natürlicher Wetterweg für das Besucherbergwerk in Nutzung, aber noch ohne Fahrung.
Mit der Genehmigung des Betriebsplanes im Herbst 2024 ist nunmehr der Grundstein für das Ausbildungsbergwerk des TS-Bau Jena gelegt. Ebenso für die ersten Ausbauarbeiten.
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Teilansicht des Bergbaugeländes in Biensdorf unterhalb des Johnschachtes (links im Bild) mit Wismut- Schürfgräben, die durch ein gut 800 Jahre altes Pingen- und Haldenfeld verlaufen.
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Das Berufsbild
Das klassische Berufsbild eines nur händisch arbeitenden „Bergmanns“ hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Technik hielt mehr und mehr Einzug in die klassischen Arbeitsabläufe eines Bergbaubetriebes, angefangen beim pneumatischen Bohrhammer bis hin zum mehrarmigen Bohrwagen. So splittete sich das Berufsbild in Teilbereiche auf. Der Beruf des „Hauers“ als direkt auf dem Gestein arbeitend blieb und wurde durch den „Bergmechaniker“ und vor allem in der Neuzeit durch den „Berg- und Maschinenmann“ erweitert. Als eine Gemeinsamkeit kann die Fähigkeit aller drei Berufsbilder angesehen werden, dass jene auch für die Arbeit am Gestein ausgebildet werden, aber sogleich andere weit über das klassische Berufsbild des Hauers hinausgehende technische Tätigkeiten nur durch die neuen Berufsbilder ausgeführt werden können.
In dieser Entwicklung des Berufsbildes „Bergmann“ gab es große Unterschiede zwischen der BRD und der früheren DDR. War im Westen der Steinkohlen- und Kalisteinsalzbergbau dominierend, so war es in der DDR neben dem Kalisteinsalzbergbau noch der Abbau von Kupferschiefer und vor allem der Uranbergbau der SDAG WISMUT. Der Steinkohlenbergbau, sowie die Gewinnung von Bleierzen in der DDR wurde schon Ende der 1960er Jahre durch Beschlüsse innerhalb des RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) herunter gefahren und letztendlich vollständig aufgegeben. Damit lag der Schwerpunkt des Bergbaus in der DDR auf dem klassischen Erzbergbau, in der BRD dagegen hauptsächlich auf dem teilweise noch bis heute anhaltenden Steinkohlenbergbau mit der klassischen Tätigkeit eines Hauers. Dieser Umstand hatte auch großen Einfluss auf die Ausbildung der zukünftigen Bergleute.
Die wohl aufwendigste und vor allem auf sehr hohem Niveau stattfindende Ausbildung von Bergmannsberufen gab es bei der SDAG WISMUT in der DDR. Der Beruf „Facharbeiter für Bergbautechnologie“ war ein Novum, der sowohl mit Abitur möglich war, als auch für Quereinsteiger und umfasste neben diversen politischen Fächern auch eine Vielzahl an technischen Fächern wie
Grundlagen der Automatisierung
GAB
Geologie
Bergvermessungswesen
Bergbautechnologie
Bergmaschinentechnik
Bergmännische Grundlagen
Bergmaschinentechnische Grundlagen
Erste Hilfe
Bei der Ausbildung mit Abitur (3 Jahre) kamen noch Mathematik, Physik, Chemie, Russisch, Englisch, Deutsch hinzu. Dieser Beruf konnte auch über eine Erwachsenenqualifizierung erreicht werden. Damit entstand die Möglichkeit, den Beruf des „Bergmanns“ weit über das übliche Niveau hinaus zu erweitern.
An diese Grundlagen und hohen Qualitätsansprüche der damaligen SDAG WISMUT knüpft die heutige Ausbildung des Berg- und Maschinenmannes an, welcher in der BRD etwa seit 1979 etabliert ist. Heutzutage wird in den Niederlassungen des TS Bau GmbH Jena hauptsächlich das Berufsbild
des Tief- und Gleisbauer (m/w/d) in Jena und
der Berg- und Maschinenmann (m/w/d) in Freiberg ausgebildet.
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...und Azubis werden gesucht !
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Die Ausbildung des Berg- und Maschinenmann erfolgt im Bergbaubetrieb auf den derzeitig laufenden Sanierungsbaustellen, in der Berufsschule und bei eingekauften speziellen Ausbildungsmodulen wie z. Bsp. der Schweißerausbildung an externen Orten. Die gesamte Ausbildung dauert 2 Jahre und ist straff organisiert. Vermittelt werden neben den üblichen theoretischen Fächern wie Deutsch und Mathematik usw.:
Grundfertigkeiten von Metall und deren Bearbeitung
bergmännische Grundfertigkeiten
maschinentechnische Grundfertigkeiten
Transport
Montage, Demontage und Instandhaltung von Transporteinrichtungen
Montage, Demontage und Instandhaltung von Fördermitteln
Instandhalten von Rohr- und Schlauchleitungen
Kenntnisse in Metall
Kenntnisse Holz und Verwendung als Baustoff (Ausbau)
Technische Mathematik
Technisches Zeichnen
Maschinelle Betriebsmittel
Förder- und Transportmittel
Bohren in Mineral und Nebengestein
Unterhalten von Grubenbauen
Abbau und Gewinnung
Sanierung von Altbergbau
Für die Ausbildung der Lehrlinge steht qualifiziertes und erfahrenes Personal zur Verfügung. Es können sämtliche Arbeiten mit handgeführten Maschinen und Geräten, aber auch die Handhabung von Großgerätetechnik vermittelt werden. Das für die Ausbildung zur Verfügung stehende Personal besitzt reichhaltige Erfahrungen für die Ausführung sämtlicher bergmännischer Arbeiten.
Interessierte Jugendliche sollten daher Interesse, Fähigkeiten und Kenntnisse in
Sorgfalt
Verantwortungsbewusstsein
Teamfähigkeit
Kenntnisse in Mathematik
Kenntnisse in Werken und Technik
Kenntnisse im technischen Zeichnen
an den Tag legen und auch umsetzen können. Besonders die Teamfähigkeit ist heutzutage wichtig. Der heutige Bergmann ist schon lange kein „Eigenlöhner“ mehr und werkelt sein Leben lang, von Gott und Vaterland vergessen, allein in einer Grube, sondern ist Teil einer multifunktionalen Gemeinschaft !
Für die praktische Ausbildung der Lehrlinge mit handgeführten Maschinen und Geräten steht nun ein eigenes Ausbildungsbergwerk zur Verfügung. Hier können ungestört vom hektischen Betrieb einer Sanierungsbaustelle sämtliche Arbeiten eines zukünftigen Berg- und Maschinenmannes praktisch vermittelt werden.
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Die „1. Brigade“ der Lehrlinge der TS Bau GmbH Jena zusammen mit ihrem Ausbilder (2. v. rechts) und mit dem ersten ausgeförderten Hunt mit Bergemasse seit 1951.
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Das Lehrbergwerk
Das Berggebäude, in dem das jetzige Ausbildungsbergwerk liegt, hat eine lange und interessante Geschichte. Jenes noch sichtbare Bergbaugelände existiert schon seit über 800 Jahren und lag an einem Verbindungssteig, der das Zschopautal mit dem Chemnitztal verband und somit auch zwei wichtige Fernhandelsrouten, die unsere Region westlich und östlich dieser Flusstäler tangierten. Damit sind schon sehr frühzeitig Menschen hierher gekommen und haben archäologische Spuren hinterlassen, etwa in Form von bronzener Werkzeuge, welche diese frühe Epoche der Siedlungsgeschichte dokumentieren.
Der Bergbau ging von den sehr frühen Zeiten bis in das 18. Jahrhundert hinein nur recht oberflächennah auf den sehr stark absetzigen Gängen im äußeren Schiefermantel des Sächsischen Granulitgebirges um.
Die Grundlage für das Lehrbergwerk bildet eine querschlägige Auffahrung der damaligen Staatlichen AG WISMUT aus der Zeit von 1949 bis 1951. Im Resultat von Untersuchungen eines „operativen Suchtrupps“ der geologischen Verwaltung der SMAD (Sowjetische Militär Administration in Deutschland) ist im Verlauf des äußeren Schiefermantels des Sächsischen Granulitgebirges hier in Biensdorf erhöhte Strahlung in Bodennähe (Emanationsanomalien bis 240 Mache- Einheiten) festgestellt worden. Daraufhin erfolgte die Gründung des „Versuchsobjektes Röhrsdorf“, dem späteren Objekt 15, womit ein temporärer Bergbaubetrieb der SAG WISMUT installiert wurde. Dieses Objekt bestand von Sommer 1949 bis spätes Frühjahr 1951. Nunmehr war es möglich, mit angeworbenen und auch zwangsverpflichteten Arbeitskräften die näher bezeichneten Gebiete entlang der Autobahn 4 zwischen Rabenstein und Hainichen (Schönborn- Dreiwerden) mit gezielten Prospektionen, Aufwältigungen und auch Neuauffahrungen von Grubenbauen näher zu untersuchen. Bergmännische Aufschlussarbeiten sind nur in Rabenstein, Röhrsdorf, Sachsenburg und Biensdorf erfolgt. In Biensdorf entstand der sogenannte „Wismutstolln“ als Untersuchungsquerschlag, der auch die historischen Grubenbaue im heutigen Besucherbergwerk des Bergbauvereins „Hülfe des Herrn, Alte Silberfundgrube e. V.“ durchfährt.
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Ein seltenes Bilddokument aus der Zeit von Objekt 15: Eine recht simple Teufeinrichtung der SAG WISMUT auf einem Schacht des Altbergbaus oberhalb des Düstergrundes unweit von Biensdorf um 1950. Foto: W. Riedl (†). |
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Durch den Bergbauverein wurde der „Wismutstolln“ in den vergangenen Jahrzehnten seiner Tätigkeit bereits vollständig erschlossen und bergtechnisch gesichert. Wobei letzteres nach den bescheidenen Möglichkeiten des Vereins in den frühen 1990er Jahren geschah und im Rahmen der Lehrausbildung nun zeitgemäß verändert werden kann. Weiterhin hat der Verein die Stollnanlage bereits mit einer Gleisanlage (600 mm Spur) versehen, welche für den Transport von Material, Technik und auch Bergen mit Hilfe einer vereinseigenen Grubenlok B360 und entsprechendem rollenden Material auch in die Lehrausbildung mit einbezogen werden kann. Der Verein verfügt vor dem Stolln über einen kleinen Haldensturz, der auch für den Lehrbetrieb nutzbar ist.
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Das Mundloch des Wismutstollns um 2021 mit der teilweise verlegten Gleisanlage.
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Der „Wismutstolln“ tangiert auch den Altbergbau des 18. Jahrhundert und auch früherer Perioden. Hier bestehen vielfältige Möglichkeiten für die Ausbildung im Rahmen des Sanierungsbergbaus, etwa Aufwältigung von Altbergbaustrecken und deren standfesten Wiederherstellung. Ganz nebenbei wäre auch die Möglichkeit des Auffindens der zweiten, sehr alten Kunstradstube gegeben !
Da das Lehrbergwerk auch vom Bergbauverein als Besucherbergwerk genutzt wird, besteht auch die Möglichkeit, die von den Lehrlingen geleistete Arbeit Besuchern aller Altersgruppen näher zu bringen. Damit wird auch das Berufsbild „Bergmann“ in all seinen Facetten wieder in das Licht der Öffentlichkeit gerückt. Somit besteht auch für zukünftige Generationen die Möglichkeit, sich den Beruf des „Bergmanns“ (Hauer, Berg- und Maschinenmann usw.) vor Ort anzuschauen. Dies ist insbesondere wichtig, um Jugendliche und Schüler für den Beruf eines „Bergmanns“ wieder zu begeistern. Das Ausbildungsunternehmen, die TS Bau GmbH Jena, hat dieses Potential des Standortes erkannt und wird hier auch zukünftig Facharbeiter für die Bergbauniederlassungen in Sachsen und Thüringen ausbilden.
Wie sagten unsere Alten schon bei der WISMUT:
Ich bin Bergmann, wer ist mehr !
Glück auf !
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So war das mal... |